Ein paar chaotische Tage in Interlaken

In unserer Vorstellung war Interlaken ein, zwar relativ großes aber dennoch verschlafenes, ruhiges Dörfchen. Ja gut… war leider nicht der Fall. Es war laut, überlaufen an Touristen (ja ich weiß, wir sind auch welche aber trotzdem) und eine Atmosphäre, die so gar nicht zum Wohlfühlen war. Unser Zeltplatz lag direkt am Fluss, auf dessen gegenüberliegenden Ufer alle paar Stunde eine Fähre an und ablegte, was dadurch zu merken war, dass sie jedes Mal von ihrem blöden Signalhorn Gebrauch machte. Dazu kam der Lärm der dahinterliegenden Straße und die Jets der Schweizer Luftwaffe, die mindestens einmal am Tag durchs Tal donnerten.

Nachdem wir angekommen waren, das Zelt aufgebaut haben und einkaufen waren, wollten wir Essen auf unserem Multifuel Kocher kochen. Bedienungsanleitung wurde gelesen, Kochersetup aufgebaut wie auf den Schaubildern gezeigt, angezündet und dann… dann sind wir verzweifelt. Wir haben geschlagene zwei Stunden probiert Wasser zum Kochen zu bringen, ohne Erfolg. Letzten Endes gab es glücklicherweise eine Küche, in der wir dann unsere Nudeln mit Tomatensoße zubereiten konnten. Im Nachhinein betrachtet, wäre es durchaus schlauer gewesen, den Kocher vorher noch einmal auszuprobieren. Am Dienstag sind wir in Interlaken angekommen, den Kocher haben wir am Samstag zum Laufen bekommen, wir haben uns Videos angeguckt, wir haben alles noch einmal auseinander und wieder zusammen gebaut immer wieder ausprobiert und sind immer wieder gescheitert. Und woran lags am Ende? Wir haben in Chemie nicht aufgepasst und den Windschutz zu eng um den Kocher gestellt, sodass die Flamme nicht genügend Sauerstoff bekommen hat, was dazu geführt hat, dass sie ständig, mitten im Kochvorgang keine Lust mehr hatte weiter zu brennen. Das zu unserem Kampf mit unserem Kocher und unserer Ahnungslosigkeit.

Wie man sieht: Windschutz zu nah am Kocher.

Ansonsten haben wir viel herumgegammelt, Spaziergänge zum Brienzersee und zu einer alten Kirchruine unternommen, haben die Kirchen beider Konfessionen besucht (die katholische sah von außen sehr schick aus, von innen aber renoviert und modern eingerichtet, also bisschen sehr kalt und enttäuschend). In der reformierten Kirche sind wir kurz vor dem Kantor gekommen, welcher uns ein kostenloses Konzert auf der Orgel gegeben hat, was ein wunderbar erholsamer und auch einfach schöner Moment war, abseits vom ganzen Trubel, der ansonsten in der Stadt herrscht.

Am Freitag sind wir, wie jeder gute Tourist mit der Standseilbahn auf den Harder Kulm gefahren und haben von dort aus eine Kammwanderung unternommen. Auf dem Kamm haben wir ein paar andere Wanderer getroffen, aber sobald wir mit dem Abstieg begonnen haben, ist uns niemand mehr begegnet, was sehr schön war.

Gestern haben wir das erste Mal Wäsche gewaschen (auf unser Wäscheleinenpatent bin ich immer noch stolz) und haben ansonsten unsere überschaubaren Habseligkeiten etwas aufgeräumt, Rommé gespielt und waren einkaufen.

Heute hieß es nur noch, alles einpacken und dann mit dem Zug über Bern nach Genf, wo wir gerade frisch geduscht in einem richtigen Bett, mit Kissen und Decke und so liegen und es uns gut gehen lassen.

Morgen geht es dann mit dem Flixbus nach Avignon, wo unsere Reise dann so wirklich starten wird.

Bis zum nächsten Eintrag, der dann auch irgendwann erscheinen wird. Buen Camino

4 Gedanken zu „Ein paar chaotische Tage in Interlaken“

  1. Guten Morgen Ihr Beiden, schön von Euch zu lesen. Beim nächsten Mal schlagt Ihr Euer Zelt besser in Grindelwald auf, da gibts nicht so viele Schiffshörner zu hören und die Tiefflieger halten sich auch zurück. Ich wünsche Euch eine tolle Zeit, mit interessanten Begegnungen, guten Gesprächen und unvergesslichen Ausblicken. Genießt es und denkt daran, der Weg ist das Ziel. Liebe Grüße vom Paten-Alex (Bodensee)

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