Das Flix-Bus-Drama und Avignon

Das Hostel war super. Frische, weiche Betten, eine warme Dusche, früh ein riesiges Frühstücksbuffet, und zum Glück nur einen Zimmergenossen der sehr freundlich war (Mahmut, der am nächsten Tag eine Rede vor der UN hielt, Thema: psycho-soziale Versorgung der Menschen im Gazastreifen, er war ziemlich aufgeregt). Für den Weg zur Flix-Bus-Haltestelle haben wir den Bus genommen, da es seit dem letzten Abend schon die ganze Zeit regnete. Und dann fing das Drama an. Vorspiel: der Busfahrer, der natürlich nur Französisch konnte hat drei Amerikaner nicht in den Bus gelassen, da er mit ihren Passports nichts anfangen konnte oder die ihm nicht ausreichend waren. Als wir dann an der Reihe waren und unser Gültiges Ticket gezeigt haben, wollte er auch von uns einen Reisepass sehen. Die Versuche ihm klarzumachen, dass wir nur unsere Personalausweise haben und wir mit denen auch in die Schweiz eingereist sind, sind gescheitert, auch mit Hilfe zweier Italiener, die sowohl Englisch als auch Französisch sprechen konnten und als Dolmetscher geholfen haben. Nachdem wir das aufgegeben hatten und uns in den Warteraum gesetzt hatten, um nach Zügen Richtung Avignon zu schauen, kam der gute Busfahrer noch einmal zu uns, fragte nach unseren Ausweisen, ging damit zu Schalter und fragte dort noch einmal nach, ob unserer Ausweise reichen. Was die zwei Männer da am Schalter bequatscht haben konnten wir nicht hören. Der Mann hinter dem Schalter schüttelte nur einmal den Kopf, woraufhin der Busfahren wiederkam uns unsere Ausweise zurückgab und uns mit einer Handbewegung signalisierte ihm zu folgen. Unser Glück kaum fassend, haben wir die Rucksäcke verstaut und sind in den Bus gestiegen. Und dann folgten wieder 6 Stunden unbequemes Busfahren.

Genf im Regen

In Avignon angekommen, mussten wir erst einmal einen Weg in die Stadt finden, da der Bus im Vorort hielt. Bis an die Stadtmauer sind wir dann mit dem Öffis gefahren (1,90 für die ganze Strecke und wenn man das Ticket zurückgibt, gibt’s auch etwas Geld zurück). Und dann hieß es schnell eine Toilette finden oder es geht in die Hose. Da die letzte Pinkelpause schon ein paar Stunden her war, sind wir mehr oder weniger durch die doch sehr schöne Altstadt gesprintet, um eine öffentliche Toilette zu suchen. Nachdem das auch erledigt war, konnten wir die restliche Strecke zum Zeltplatz etwas entspannter zurücklegen. Auf dem Zeltplatz wurden wir neben einem deutschen Paar aus dem Münsterland abgestellt, die sehr gesprächig waren und auch schon allerhand erlebt haben. Während ich das Zelt eingeräumt habe, hat sich Helene mit den Zweien ein bisschen unterhalten.

Die Altstadt von Avignon ist wunderschön. Durch ein paar kleine Öffnungen und Tore, in der sonst noch sehr intakten Stadtmauer gelangt man hinein. Ohne wirklichen Plan sind wir durch die kleinen, hellen Gassen geschlendert, vorbei an unzähligen kleinen Läden für Klamotten, Seife, Schmuck und sonstigem Kleinkram, kleinen Plätzen, die im Schatten riesiger Platanen lagen, Cafés und Restaurants. Es gab sowohl enge heruntergekommene Gassen, wo an den Häusern der Putz abbröckelte und die einmal bunten Fensterläden verblasst und kaputt in den Angeln hingen, als auch breite Straßen wo sich die Häuser mit ihrem Stuck zu überbieten versuchten. Es gab Häuser, die aussahen, als kämen sie aus Paris und es gab welche, die irgendwann im vorletzten Jahrhundert stehengeblieben sind.

Die berühmte halbe Brücke haben wir links liegen gelassen, da dafür Eintritt verlangt wurde, ebenso wie für den Protz Bau von Papstpalast, wobei wir uns den gerne noch von innen angesehen hätten. Die Kirche daneben war aber offen und war im Gegensatz zur lauten Stadt ein Ort, wo man kurz zu Ruhe kommen konnte.

Mit dem Bus sind wir dann später noch einmal in die Vorstadt gefahren, um bei Decathlon eine Gaskartusche zu kaufen, da wir es aufgegeben haben, uns mit dem Benzin rumzuärgern. Im Nachhinein wäre ein simpler Gaskocher doch die bessere Wahl gewesen, aber naja man lernt ja immer dazu. Wir haben zumindest beschlossen, dass es irgendwann noch einmal nach Avignon geht, dann aber mit mehr Kultur und etwas mehr Luxus.

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