Keine gute Stimmung

Mit dem Zug geht es nach Arles. Der Bahnhof in Tarascon ist am Sonntagmorgen wie ausgestorben. Aber die Züge sind auf die Minute pünktlich und können, was die Sauberkeit angeht, mit den deutschen Zügen gut mithalten. Arles hat uns von Anfang an nicht wirklich gefallen. Bis zum Campingplatz war es eine halbe Stunde zu Fuß, was unseren Schultern auch gereicht hat. Die Straßen waren schmutzig, die Häuser alles andere als einladend und die Menschen blickten drein, wie drei Tage Regenwetter, dabei waren es angenehme 23 Grad. Der einzige Campingplatz in der Stadt, war ziemlich in die Jahre gekommen, die Sanitäranlagen waren bei weitem nicht so gut, wie auf den letzten beiden Plätzen und der Mann an der Rezeption war unfreundlich. Meine sowieso schon eher gedrückte, missmutige Laune bekräftigte er damit, uns für eine Nacht 30 Euro abzuknöpfen und dazu meinen Ausweis als Absicherung zu verlangen, damit wir ja am Ende unseres Aufenthaltes auch bezahlen. Das einzige Highlight an diesem Tag war der Spaziergang um einen nahegelegenen See. Dort war es schön ruhig, die Sonne schien immer noch warm und kräftig und bis auf einen zwei Menschen, die ihren Hund ausführten, waren wir allein. Die Stille wurde nur durch das Quacken einiger Frösche und ein paar Vögel unterbrochen. Der Weg, der einmal um den See führte, war meist nur ein Trampelpfad durch das Dickicht am Ufer entlang. Auf der einen Seite des Sees gab es einen Holzpfad, der ein Stück durch den Mangrovenartigen Wald führte, welcher den See umgab. Wir haben Reiher gesehen, Möwen, eine Smaragdeidechse und Frosche. Am Abend, nach einer Champignon-Tütensuppe, haben wir beschlossen am nächsten Morgen wieder zu fahren und weiter nach Montpellier zu reisen. Gesagt getan, Bahntickets wurden gebucht, Hostel für 90 Euro die Nacht auch und dann ging es in Richtung Bahnhof. Auf dem Weg dahin sind wir noch durch die Altstadt gelaufen, vorbei am Amphitheater, der römischen Arena und der Kirche. Da wir es ziemlich eilig hatten am Morgen vom Zeltplatz wegzukommen, hatten wir noch eine Stunde Zeit, bis der Zug kam. Das Warten haben wir mit essen und Karten spielen verbracht.

Frühstück – bisschen hartes Brot mit Erdnussbutter und Marmelade
Mit den großen Rucksäcken erntet man auf den Straßen oft ein paar schräge Blicke
Andächtige Ruhe sucht man hier vergebens – die Akustik des Tonnengewölbes verstärkt Staubsauger hervorrangend.

 Als der Zug uns in Montpellier auskippte, hatten wir das Gefühl, wieder in einer völlig anderen Welt zu sein. Die engen, teils etwas schäbigen Gassen sind breiten Straßen gewichen, die in mehrstöckige Prachtbauten gefasst waren. Diese Wohnblöcke aus dem vorletzten Jahrhundert waren überladen mit Stuck, die Balkone waren in feinverzierte, vielverschnörkelte Geländer gekleidet und auf den Fußwegen musste man um die Hinterlassenschaften der Hunde Slalom laufen. Die Stadt war eine Mischung zwischen Paris, dem Hollywood Boulevard in LA und Berlin. All diese Eindrücke erschlugen uns, als wir aus dem Bahnhof traten und uns erst einmal orientieren mussten. Das Hostel lag direkt am Bahnhof, was uns sehr recht war und es tat auch gut, wieder einmal ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad zu haben.

Entspannt ankommen und ein bisschen die Stadt erkunden kam für uns leider nicht in Frage. Mit der Straßenbahn ging es in einer viertel Stunde, in das am Stadtrand gelegene Einkaufsgelände zum Decathlon. Helene brauchte neue Wanderschuhe, da in den alten etwas gebrochen war, weswegen ihre Ferse immer noch zu leiden hat, außerdem haben wir eine neue Gaskartusche gekauft und einen Gaskocher, da wir es aufgegeben haben, uns mit dem Multifuelkocher herumzuärgern. Dazu kamen noch ein paar Klamotten, da es auch hier ziemlich frisch ist am Morgen und auch noch kälter wird je länger wir unterwegs sind. Auf dem Rückweg haben wir uns noch ein paar Nudeln aus der Pappbox geholt und sind, mit Umweg über den Place de Comédie und die Touriinfo zurück zum Hostel. Die Nacht haben wir beschissen geschlafen und sind früh mit entsprechender Laune auch aufgestanden. Nachdem wir ausgecheckt haben, sind wir in Richtung Post, nach der wir uns in der Touristeninformation erkundigt haben. Dort haben wir die kaputten Wanderschuhe, sowie den Multifuelkocher samt Zubehör verpackt. Das alles lief ungefähr so ab: wir kommen in die Post rein und sehen uns erstmal nach einem geeignet großen Paket um. Ein Postangestellter sieht uns, wie wir etwas verloren vor dem Regal mit Kartons stehen. Mit viel Gestik und gebrochenem Englisch gibt er uns einen Karton, in dem alle unsere Sachen Platz finden und führt uns dann zu einer Waage nebst digitalem Bildschirm. Er tippt ein paar Mal drauf rum, murmelt etwas von: „Adresse und so“ und mit einer Handbewegung, die signalisiert: „so bitte schön, macht mal euer Ding“ verschwindet er und lässt uns allein vor einem digitalem Absende Formular auf Französisch stehen. Mit Hilfe vom Google Übersetzer und einer netten Postangestellten, die sehr viel besseres Englisch sprach, haben wir es nach fast einer halben Stunde geschafft, das Paket absende fertig zu machen. Die Postangestellte nahm das Paket entgegen, wir bedankten uns und gingen in Richtung Bahnhof. Dort verbrachten wir wieder eine Stunde mit warten, Kartenspielen und essen und sind dann in den Zug nach Carcassonne gestiegen.

Der nichtssagende Charme von 90€-Hotelzimmern…

Und was dort alles passiert ist, könnt Ihr im nächsten Blog lesen.

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