Um uns von den zurückgelegten 27 Kilometern etwas zu erholen, haben wir beschlossen, für ein paar Tage in Tarascon zu bleiben. Das kleine, sehr verschlafene Städtchen liegt auf halben Weg zwischen Avignon und Arles. Die zwei Tage haben wir uns zeitgenommen, um zum zweiten Mal Wäsche zu waschen (diesmal sogar mit Maschine) und uns die Stadt etwas anzugucken. Tarascon ist ungefähr so groß wie Zittau, mit einem Klotz von Festung, direkt am Ufer der Rhone und auch direkt vor unserem Zeltplatz. Dazu hat die Stadt noch eine sehr schicke Kirche zu bieten und ein Labyrinth an ausgestorbenen Gassen, in denen sich die in die Jahre gekommenen Häuser gegenseitig zu erquetschen versuchen. Und wir haben nachgedacht. Viel nachgedacht und überlegt, ob wir das, was wir uns vorgenommen haben auch schaffen können, physisch wie auch psychisch. Wir haben gemerkt, dass wir das Gewicht der Rucksäcke auf Dauer nicht stemmen können. Es ist schlicht und ergreifend einfach zu schwer und wird auch nicht leichter mit der Zeit, da sind wir uns sicher. Und deswegen haben wir uns neue Pläne gemacht, uns gefragt was wir erreichen wollen, was wir sehen wollen und auch was wir auf keinen Fall wollen.







Die neuen Pläne sehen wie folgt aus: da wir mit unseren schweren Rucksäcken definitiv nicht weit kommen werden, ohne unsere Schultern zu beerdigen, haben wir beschlossen, das ganze Vorhaben etwas einzukürzen. In den nächsten Tagen, vielleicht auch Wochen werden wir die Städte Arles, Montpellier, Carcassonne und Lourdes (in dieser Reihenfolge) mit dem Zug bereisen und uns anschauen. Danach werden wir noch einmal unser Equipment durchsehen, die Campingsachen aussortieren und dann wie ganz normale Pilger den Camino Frances von Jean-Piet-de-Port aus laufen. Auch wenn wir das Zelten mittlerweile lieben gelernt und uns daran gewöhnt haben, sind Zelt, Kocher, Töpfe etc. dann doch die Kilo, die das Gewicht von, „es ist gerade noch ertragbar und zu schaffen“ auf „Lass mal Schultern und Rücken kaputt machen“ setzen. Wir wollen auf keinen Fall mit zerschundenen Schultern und einem um Jahre gealterten Rücken wieder nach Hause kommen. Wir wollen das Wandern genießen und nicht bei jedem Schritt unter dem Gewicht der Rucksäcke leiden müssen.

Unser Ziel bleibt jedoch, es bis nach Santiago und ans Meer zu schaffen, wenn auch jetzt etwas eher als eigentlich geplant.