Carcassonne und die Stimmung bessert sich

Die Zugfahrt verlief ohne weitere Probleme. Die Sitze im Intercity waren erstaunlich bequem und der Zug sauber.  Nach zwei Stunden und nur fünf Minuten Verspätung standen wir auf dem Bahnhof von Carcassonne, der durch seine Sauberkeit schon zu Beginn die positive Stimmung verstärkte.

Ab hier begann unser übliches Prozedere. In der Stadt orientiert hatten wir uns schon im Zug – Wo finden wir den nächsten Supermarkt? Wie weit ist es bis zum Campingplatz? Was müssen wir einkaufen und so weiter. So lernen wir fasst jede neue Stadt kennen, auf dem Weg zum nächsten Monoprix, um Pasta, Tomatensoße und andere Kleinigkeiten einzukaufen. Immer in der Hoffnung, dass es auch gibt, wonach wir suchen. Denn ja, das ist so eine Sache… zum einen ist die Sortierung in den Supermarkten hier bisweilen recht experimentell und wir laufen oft ein paar Mal wirr durch die Gänge, bis wir finden können, was wir brauchen. Manchmal sucht man aber auch vergebens, seit Avignon suchen wir vergeblich nach fertigem Porridge, da wir uns so Gewürze für den Porridge sparen können. In Carcassonne haben wir das dann doch mal aufgeben und eine Packung Haferflocken, Vanillezucker und Apfelmus gekauft.

Und dann ging es zum Campingplatz, der am Bach unterhalb der Festung lag. Diesmal aber nicht durch schäbige und heruntergekommene Vorstadtviertel, sondern durch bunte kleine Gässchen in denen das Leben tobte. Restaurants und kleine Geschäfte reihten sich aneinander. Am liebsten würde ich immer bei jedem dieser kleinen Modegeschäfte stehen bleiben und durch die Kleider stöbern. Vielleicht ist das ein bisschen klischeehaft, aber irgendwie ist die Mode hier ein bisschen farbenfroher und besitzt mehr eigenen Charakter. Schon bei manch einem Wickelkleid mit herrlichem Muster, hätten ich dann doch gerne der funktionalen Wanderkleidung eine Absage erteilt. Aber Justus und mein schwer auf dem Rücken sitzender Rucksack erinnerten mich daran, dass wir dafür leider keinen Platz und eine Kraft haben. Also ging es weiter zum Campingplatz – mittels einer alten Steinbrücke überquerten wir den Fluss, dann ging es wieder durch kleine Gässchen (mit wirklich enorm wenig Platz für Fußwege neben den vorbeifahrenden Autos) und weiter entlang eines vor sich hin rauschenden Bächleins. Über uns thronte erhaben die Festung Carcassonne.

Der Boden ist trocken und steinhart, unsere Heringe waren danach leicht krumm…

Der Campingplatz war zwar riesig, verströmte aber eine deutlich größere Wohlfühlatmosphäre als der in Arles, so dass wir einen gemütlichen kleinen Platz für unser Zelt finden konnten. Zu den Campingplätzen sollte ich vielleicht auch noch ein paar Worte verlieren, denn da gibt es so die eine oder andere Besonderheit, was die Sanitäranlagen betrifft.

  1. Es gibt meist keine Geschlechtertrennung.
  2. Klopapier gibt es überraschenderweise auch nicht (auch keine Bidets), einfach nichts.
  3. Nicht auf allen Campingplätzen gibt es Klobrillen, das ist morgens schnell mal kalt am Pops.

Dann ging es mit Spannung ans Abendessen zu bereiten, der neue Gaskocher musste ausprobiert werden. Und was soll ich sagen: Das Ding funktionierte beim ersten Versuch und kochte uns einwandfrei Wasser für unseren Couscous und sogar noch Tee. Unsere glücklichen Gesichter in diesem Moment könnt ihr euch sicher vorstellen. Dem Multifuelkocher trauern wir jedenfalls nicht hinterher.

Couscoussalat mit Feta, Tomaten, Gurke und Zwiebel

Für Carcassonne wollten wir uns einmal richtig Zeit nehmen – 3 ganze Tage. Deshalb starteten wir erst einmal ganz gemütlich den ersten Tag, wieder ein bisschen Wäsche waschen, Blogeinträge schrieben, Karten spielen. Am Nachmittag ging es noch einmal in die Stadt, der kurze Gang am Tag zu vor hatte uns neugierig gemacht, ebenso die 2 Kirchtürme, die ein wenig über die Dächer lugten. Und wir wurden nicht enttäuscht, kleine und große Plätze mit Bäumen, hübsche kleine Häuser. Aber am meisten beeindruckten uns die beiden Stadtkirchen. Von außen eher unscheinbar anzusehen, versteckte sich hinter den Mauern eine Weite, die ich so nicht erwartet hätte. Das Kreuzgewölbe spannte sich ohne die Unterbrechung von Säulen zwischen den Mauern und die Fenster warfen bunte Lichtspiele in den Raum. Zu Justus größter Freude, fanden sich in einer Kirche auch noch die originalen Wand- und Deckenmalereien, die den ganzen Raum mit Farben erfüllten.

Nach der Stadt zog es uns noch einmal kurz ins Grüne – Justus hatte eine kleine Strecke herausgesucht… Allerdings muss man an dieser Stelle sagen, dass die Landschaft hier in Südfrankreich dann doch auch ziemlich karg ist, so dass wir am Ende eher von Schattenfleck zu Schattenfleck und der immer noch recht heißen Sonne liefen.

Am nächsten Tag zog es uns dann zur Burg und der Festungsanlage, die über uns thronte. Doch zunächst gab es ein Frühstück, das sich sehen lassen konnte – warmer, süßer Porridge mit Apfelmus und Obst. Der hätte tatsächlich in einen Foodblog gepasst. Aber dann ging es ab zur Burg, unser Plan: Burg anschauen, einmal auf der Mauer um die gesamte Festung und dann die mittelalterliche Stadt ansehen. Durch Recherche haben wir herausgefunden, dass der Eintritt für Burg und Mauer für alle EU-Bürger*innen bis 26 Jahren kostenlos ist, was uns natürlich sehr gelegen kam. Und so standen wir bei herrlichstem Sonnenschein auf der Festungsmauer und sahen auf das weite umliegende Land, das zwar recht karg, aber dennoch schön vor uns lag. Bis zu den Pyrenäen konnten wir schauen. In unserem Rücken eine summende Stadt, mit kleinen Gassen und niedlichen kleinen Häusern. Momente wie diese sind der lang ersehnte Ausgleich zu all den Rückschlägen, Problemen und kleinen Schwierigkeiten, die dann doch jeden Tag auf uns warten.

Im Gegensatz zur Festungsmauer war die Burg jedoch mehr oder weniger ein Flopp, die Menschen erlaschten sich gegenseitig und von den einstigen Innenräumen war nicht mehr ganz so viel zu sehen, stattdessen wurden archäologische Fundstücke der Steinmetzarbeit ausgestellt. Am Ende waren wir doch recht froh wieder draußen zu sein und durch die Stadt zu schlendern. Die schönen kleinen Gässchen hoben unsere Stimmung wieder, ebenso wie die Kirche (einstiger Bischofsitz) mit ihrer Pracht und nicht zuletzt zwei frische dampfende Crêpes, mit Karamell und Cremé de Marron.

Den restlichen Tag suchten wir erneut etwas Ruhe auf dem Campingplatz. Und siehe da unser neuer Zeltnachbar hatte doch tatsächlich einen Multifuelkocher!  Seit Montpellier schleppten wir immer noch unnötigerweise eine Flasche hochwertiges Kocherfuel mit uns herum, genau so wie einer Menge Gedanken, wie genau man dieses los werden könnte. Nun hatte sich dieses Problem von selbst gelöst, da unser Nachbar die Flasche nach einiger Recherche dankend annahm. Als dann auch noch zum Abendessen die Nudeln zum ersten Mal überkochten, schien endlich einmal alles gut zu laufen.

An unserem letzten Tag in Carcassonne stand noch einmal Entspannung und ein längerer Spaziergang auf dem Plan. Ich vermisse den Wald zuhause sehr doll, daher wollten wir zu einem kleinen leicht bewaldeten Hügel laufen. Vorher ging es jedoch zwischen Weinbergen durch die sengende Sonne, man will es nicht glauben, aber auch im Oktober, hat die noch eine Menge Kraft. Die Stimmung bei uns war ein bisschen gedrückt, viele Gedanken wanderten durch unsere Köpfe und vor allem ich war sehr erschöpft von den vielen Menschen, mit denen wir dann doch jeden Tag zu tun haben.

Der Herbst kommt auch langsam in den Süden.

Am Abend wagten wir etwas Neues auf unserem gut funktionierenden Kocher – es gab Ravioli und Tortellini. In der Dämmerung bekamen wir neue Nachbarn auf unserer kleinen Parzelle: eine Familie mit Fahrrädern und 2 kleinen Kindern, dementsprechend wurde die Nacht ein bisschen schlaflos.

Zufälle gibt es, beim Frühstück am nächsten Morgen stellten wir fest: auch sie besaßen einen Multifuelkocher. Da sie aus der deutschsprachigen Schweiz stammten wurde sich sofort darüber ausgetauscht. Noch einmal merkten wir, dass es uns unerklärlich ist, weshalb unser Kocher nicht funktionieren wollte. Aber auch so waren die beiden Eltern zwei sehr angenehme Gesprächspartner und hatte Erfahrungen gemacht, die sie mit uns teilten.

Für uns hieß es nun wieder alles zusammenräumen und weiter nach Lourdes. Aber davon handelt der nächste Blogeintrag.

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