Diesem Eintrag sollte ich vorneweg nehmen, dass Lourdes mein persönlicher absoluter Tiefpunkt ist.
Der Fahrt nach Lourdes begann schon einmal nicht gut. Die von uns gewählte – günstigste – Verbindung sah 2 Umstiege vor: mit dem TGV nach Toulouse, dann weiter mit einer Regionalbahn nach Tarbes und von dort aus noch einmal mit dem TGV nach Lourdes. An jedem Bahnhof jeweils eine Viertelstunde Zeit für den Umstieg – klang in unseren Augen schaffbar, zumal die Züge ja anscheinend recht pünktlich waren und Zugfahren war ja bisher kein Problem gewesen.
Nun standen wir in Carcassonne auf dem Gleis und warteten. Justus SNCF-App zeigte schon an, dass sich der Zug um 5 Minuten verspätete, aus 5 wurden 10 und wir hatten Sorge um unseren Anschluss. Die Bahnhofdurchsagen verstehen wir ohnehin meist nicht. Ich konnte mit meinen paar Brocken Französisch gerade so heraus interpretieren, dass der Zug Verspätung hat und es stand auch überall auf den Anzeigetafeln. Also konnten wir nur warten und hoffen. Meine Laune: an dieser Stelle mal wieder in Richtung Keller unterwegs. Irgendwie schaffe ich es immer wieder in diesen Momenten alles bisschen schwarz zu malen. Noch verstärkt durch die Tatsache, dass ich mich nicht unbedingt gut fühlte und die SNCF-App oder KI-Chatbot keine Auskunft darüber geben konnte, wie das den mit den Ticktes aussieht, wenn man wegen einer Verspätung nicht den Anschlusszug erreichen konnte. Irgendwann kommt dann doch endlich mal der Zug. Und eins muss man sagen: TGV fahren ist super – Sitzplatzreservierung ist Pflicht (und kostet nicht extra), Toiletten sind recht sauber, Sitze bequem, Atmosphäre ruhig. Wie so oft haben wir ziemlich viel Glück, unser Anschluss in Toulouse ist für uns schaffbar, der Zug wartet – wie wir schon aus den französischen Ansagen im Zug entziffern konnten. Rennen müssen wir trotzdem und das ist mit den Rucksäcken einfach nur eine Qual. Und wir haben noch mehr Glück: in dem ziemlich vollen Zug finden sich doch noch zwei Sitzplätze für uns und wir können uns noch einmal für 2 Stunden entspannt zurücklehnen, der Zug holt sogar die Verspätung durch das Warten wieder auf. Der Umstieg in Tarbes ist also kein Problem mehr.
Der erste Eindruck von Lourdes ist vermutlich auch ziemlich bezeichnend für diesen Ort. Der TGV (Ziel: Paris) läuft fasst leer in den Bahnhof ein, wir stehen an einem der Ausgänge und sehen durch die schmale Glasscheibe der Tür den Bahnsteig immer langsamer vorbeiziehen, dann hält der Zug. Auf der anderen Seite des Glases steht eine große Menge Menschen aus aller Welt mit Koffer, die zum Zug drängt, so dass wir Mühe haben auszusteigen und uns über den Bahnsteig zu bewegen. Wir waren verdammt froh nicht weiter mit dem Zug zu fahren.
Als wir aus dem Bahnhofdach auf die Straße treten, nieselt es. Der Regen war angesagt, aber eigentlich sollte er erst später anfangen. Aber wir können ja nichts dran ändern, also ziehen wir die Regenhüllen über die Rucksäcke und machen uns auf den Weg zum Campingplatz. Während wir laufen, wird der Regen ungemütlich und das Vordach der Campingplatzrezeption ist ein willkommener Schutz. Der ältere Herr am Campingplatz spricht fasst nur Französisch und ich bin erschöpft und verstehe kein Wort. Justus scheint immerhin ein bisschen was zu verstehen. Der Regen wird heftiger und wird vom Wind so richtig schön von der Seite ins Gesicht geweht. Aber was solls, das Zelt muss aufgebaut werden, der Regen soll bis zum Morgen anhalten. Es so aufzubauen, dass unser Innenzelt nicht nass wird ist eine komplizierte Kunst – am Ende sind dafür unsere Klamotten so mehr oder weniger durchgeweicht. Aber das Zelt steht und die Rucksäcke können ins Trockene, es ist irgendwie so gegen 18 Uhr. Irgendwer muss noch einkaufen gehen. Also teilen wir die Aufgaben auf: da ich deutlich erschöpfter bin und leicht Kopfschmerzen habe geht Justus einkaufen und ich räume das Zelt, während der Regen immer noch prasselt und es immer kälter wird. Irgendwie schaffen wir es dann auch etwas Essbares bei Regen auf dem Kocher zu zaubern bevor wir erschöpft in die wärmenden Schlafsäcke sinken.



Am nächsten Morgen hat der Regen aufgehört, alles ist grün und nass. Wir sind auf einem kleinen niedlichen Campingplatz, außer uns gibt es nur eine Handvoll Camper mit niederländischen oder französischen Rentnern. Wegen der kalten Temperatur bleiben wir einfach ein bisschen in unseren Schlafsäcken liegen, bis ein paar Sonnenstrahlen unser Zelt treffen. Mir fällt es ohnehin schwer aus dem Schlafsack zu kommen – ich habe leichte Kopfschmerzen und fühle mich schwach. Den Tag über werden noch Bauchschmerzen und Rückenschmerzen dazukommen. Also machen wir ganz langsam. Verbringen den Vormittag mit der Planung für die Zeit nach Lourdes und Kartenspielen (mittlerweile können wir: Rommé, Räuber-Rommé, Knack, Mau-Mau – an Shithead haben wir uns versucht, aber irgendwie waren wir zu dämlich für die Regeln). Am Nachmittag wagen wir uns langsam in die Stadt vor. Ich schleiche bis zur Kirche und wieder zurück, danach verkrieche ich mich erschöpft in meinem Schlafsack. Aber immerhin: die Sachen sind den Tag über auf der Leine trocken geworden.


Der nächste Tag wird nicht besser. Ich verbringe die meiste Zeit im Zelt eingekuschelt in den Schlafsack. Viel passiert nicht, dafür scheint die Sonne ein bisschen und es wird wärmer. Justus geht die berühmte Kathedrale besuchen. Davon erzählt er euch aber lieber selbst. Nachmittag und Abend brüten wir über dem kniffligen Kreuzworträtsel aus dem ZEITmagazin.

Und so gehen die 2 Tage in Lourdes vorüber, ohne das irgendwas passiert. Es werden vermutlich die letzten Nächte in unserem Zelt sein.
Wie es weiter geht, erfahrt ihr im nächsten Blog.