Bayonne hat uns auf Anhieb gefallen. Auf dem Weg dahin kamen wir durch weite Felder, die von Kanälen durchzogen waren, in der Ferne sahen wir ab und zu große Herrenhäuser und leider oft leerstehende majestätische, kleine Villen in den Dörfern. Das Hostel war nur einen Katzensprung vom Bahnhof entfernt und die zwei Stunden bis wir einchecken konnten haben wir mit Mittagessen und Kreuzworträtsel lösen verbracht. Das Hostel war klein und an der Ecke einer Gasse. Die Gassen in Bayonne waren die Schönsten, teilweise enge, aber auch sehr breiten Gassen, mit buntem Fachwerk und Fensterläden. Die Stadt war eine Mischung aus Nürnberg mit seinen Fachwerkhäusern und Venedig mit seinen aneinandergereihten Kaufmannshäusern am Fluss. Die riesige Kathedrale mit ihrem Kreuzgang und ihren fast weißen Türmen ragte hoch über die Dächer der Stadt und man wäre gerne ein paar Jahre in der Zeit zurückgereist, um die Stadt in ihrer Blüte zu erleben.





Am nächsten Morgen gab es das erste Mal auf unserer Reise richtiges französisches Frühstück. Croissant und Baguette mit Marmelade und Butter, dazu noch Pain au Chocolat und Kaffee beziehungsweise Kakao. Gesättigt checkten wir aus und warteten noch zwei Stunden auf den Bus, der uns nach Saint-Jean-Pied-de-Port bringen sollte. Je näher die Abfahrt rückte, desto mehr Menschen mit Rücksäcken, Wanderstöcken und Jakobsmuscheln erschienen. Und obwohl die Hauptsaison eigentlich rum ist, fand ich es doch erstaunlich, wie viele Pilger noch unterwegs waren. Je länger wir fuhren, desto hoher wurden die Berge um uns herum und die Pyrenäen mit ihren kahlen Kuppen landeten auf meiner Bucketlist. In Saint-Jean-Pied-de-Port angekommen waren es eine viertel Stunde Fußmarsch zu unserem Airbnb. Die kleine Wohnung hat alles, was man braucht. Bad, Küche, Balkon, eine Waschmaschine und einen Lidl direkt um die Ecke.
Ursprünglich hatten wir für drei Nächte gebucht, jedoch fünf daraus gemacht. Schon seit Bayonne kreisten unsere Gedanken immer wieder um die Frage, ob wir das Pilgern und alles, was damit verbunden ist wirklich wollen. Wollen wir wirklich jeden Tag mit einem schweren Rucksack laufen, in Pilgerherbergen übernachten, die vor allem Helene nicht ganz geheuer waren, der mehr oder weniger Verzicht auf die eigene Privatsphäre oder ob wir uns einfach ein kleines schnuckliges Haus in der Bretagne oder der Normandie suchen und für zwei Wochen, klassischen Urlaub machen. Nach drei fast schlaflosen Nächten und vielen vergossenen Tränen der Verzweiflung und Hilflosigkeit haben wir uns jetzt dafür entschieden, bis Pamplona dem Jakobsweg und dem Pilgern eine Chance zu geben. Und wenn das nichts für uns ist, dann hacken wir das Pilgern ab und fahren nach Hause. Und falls es doch Spaß macht, dann geht es so weit und so lange, bis wir sagen wir haben keine Lust mehr zu laufen.



Nachdem wir diese verdammt schwere Entscheidung getroffen haben, sind wir zur Post und haben ein Paket gekauft, in das alle unserer Campingequipment passte, um es nach Hause zuschicken. Hier war es um weiten einfacher als in Montpellier. Die Dame am Schalter war sehr freundlich und hilfsbereit und sprach ein gutes Englisch. Das Paket am nächsten Tag abzugeben war auch kein Problem.



Ansonsten lassen wir es uns gerade sehr gut gehen. Wir kochen jeden Abend etwas, haben uns einen Becher Ben & Jerrys gegönnt, gucken Film und The Big Bang Theory, gehen spazieren und genießen die Ruhe.



Ab morgen geht es dann los. Wir gehen es ganz langsam an und haben die eigentlich drei Etappen bis Pamplona in fünf Etappen aufgeteilt.
Das hier wird jetzt auch vermutlich vorerst der letzte Eintrag werden, da das Schreiben auch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Sollten wir zwischendurch mal etwas mehr Zeit haben kommt noch was, ansonsten gibt es einen ganz langen Eintrag am Ende unserer Reise. Jetzt brauchen wir aber erstmal die Zeit für uns.
Hallo, Ihr Lieben,
da musstet Ihr ja schon einige Abenteuer bestehen! Ich bewundere Euren Mut, trotzdem auszuhalten und weiter zu gehen.Das ist große Achtung wert. So wünsche ich Euch weiter eine gute Zeit mit den richtigen Entscheidungen für Euer Wohlbefinden. Die Erfahrungen und Erlebnisse dieses Weges kann Euch keiner nehmen und sie werden Euch auf Eurem Lebensweg immer eine wichtige Station bleiben. Geniest es und bleibt behütet!
Ich freue mich schon auf die nächsten Berichte!