Der perfekte Start zum Pilgern sieht ungefähr so aus: früh ausgeschlafen aufstehen, gemütlich etwas frühstücken, danach gut gesättigt das Zelt einpacken, den Rucksack schultern und bei Sonnenschein die ersten Kilometer mit einem lächeln auf dem Gesicht hinter sich bringen. Bei uns sah es ungefähr so aus: wir sind um halb sieben aufgestanden, weil Regen gemeldet war und wir das Zelt noch im Trocknen einpacken wollten. Während wir dabei waren uns nach dem Aufstehen frisch zu machen fängt es, wie aus dem nichts an zu regnen. Und zwar nicht nur leichter Nieselregen, nein dicke fette Tropfen. Also alles im Zelt in die Rucksäcke räumen, diese dann unter die Bäume stellen, dass sie zumindest nicht ganz so nass werden. Und dann das klitschnasse Zelt und die matschige Unterlegmatte einpacken. Die viel zu schweren Rucksäcke auf unsere Rücken hieven und hungrig und nass zum Bäcker laufen. Mittlerweile ist es schon halb 10. Beim Bäcker haben wir für 20 Euro zwei Schokobrötchen, zwei Pain au Chocolat und ein Wallnussbrot gekauft und ersteres auch direkt verputzt, was bis dato das Beste am Tag war. Und dann ging es los. Die ersten 20 Kilometer Richtung Spanien.

Was soll ich sagen, war jetzt nicht so geil. Nach Kilometer drei oder vier, taten uns die Schultern schon weh. Der Regen hat sich freundlicherweise verdünnisiert und der Sonne Platz gemacht, aber leichter wurde es dadurch trotzdem nicht. Da uns nichts anderes übrigblieb, schleppten wir uns die nächsten Kilometer voran. Bis auf ein kurzes Stück Stadt am Anfang, ging es die ganze Zeit auf dem Dammweg neben der Rhone, parallel zur Schnellstraße entlang. Und dort haben wir auch die ersten unschönen Seiten Frankreichs zu Gesicht bekommen, alte Transporter und Kleinbusse mit zerschlagenen oder zugeklebten Scheiben, die in der Nähe von Autorastplätzen standen, in denen Prostituierte saßen. Da ist uns einmal mehr bewusst geworden wie privilegiert wir leben und wie gut es uns eigentlich geht. Und gleichzeitig fühlt man sich auch etwas schlecht einfach vorbeizugehen, sich gar nicht ausmalen zu wollen, was mit ihnen die nächste Nacht passiert.

Irgendwann entfernte sich die Straße und auch die Transporter wurden weniger. Der Weg aus grobem Schotter veränderte sich bis zum Campingplatz nicht. Links von uns, den Damm hinunter lag die Rhone, rechts war Wiese mit einem Kanal mit klarem Wasser, der parallel zur Rhone floss. Nach zehn Kilometern machten wir Mittag, die Hälfte war geschafft und wir auch. Es gab Riegel, Banane und das Wallnussbrot des Bäckers. Und das war bis jetzt das Beste, was ich gegessen habe. Schön weich, mit sehr aromatischen Wallnüssen und einer festen Kruste. Die elf Euro war es auf jeden Fall wert. Nach dem Mittag blieben der Weg und seine Umgebung die Gleiche, nur das wir die Flussseite wechselten. Ab da knallte die Sonne auf die Köpfe und es wurde langsam zu warm in den Regenjacken. Die letzten drei Kilometer waren die schlimmsten. Die Schultern schmerzten immer mehr und bei Helene drückte schon seit Avignon der rechte Schuh. Es ging immer nur gerade aus, nicht hoch, nicht runter. Wir hatten das Gefühl nicht vorwärtszukommen. Wie zwei Schnecken, die an der Sonne trockneten, schleppten wir uns weiter, hoffend bald anzukommen. Zu allem Überfluss und der sowieso schon eher schlechten Laune, fing es knapp 500 Meter vor dem Zeltplatz noch einmal an zu regnen, und zwar so, dass wir nochmal die Regenjacken rausholen mussten.



Es tat so gut, auf dem Campingplatz die Rücksäcke abzustellen, zu duschen und auch das erste Mal (diesmal mit Gas) Nudeln und Tomatensoße auf dem Kocher zuzubereiten.


Am nächsten Morgen haben wir dann gemütlich gefrühstückt, das trockene Zelt eingeräumt, die Rucksäcke noch einmal neu eingestellt und gepackt und sind die nächsten 7 Kilometer gelaufen.
Auch die waren mehr oder minder eine Qual, vor allem Helene hatte sehr mit ihrer Ferse zu kämpfen, die schon dick geworden ist und bei jedem Schritt weh tat. Die Sonne schien und wir haben die ersten 5 Kilometer singend und plaudernd zurückgelegt. Der Weg war an manchen Stellen etwas überwuchert und an manchen Stellen bedeckten riesige Pfützen den Weg. Die letzten zwei Kilometer durch die Stadt liefen sich ganz gut weg, wenn auch ziemlich langsam.


In Tarascon angekommen haben wir uns ein paar Tage Pause gegönnt, aber das gibt es dann im nächsten Eintrag zu lesen.
Hallo ihr Lieben, es ist spannend von euren ersten Tage zu lesen. Da habt ihr in der kurzen Zeit schon einiges erlebt. Dir, liebe Helene, wünsche ich, dass das mit dem Fuß schnell besser wird, wahrscheinlich ist eine Pause das Beste. Passt gut auf euch auf, motiviert euch gegenseitig. 😊