Dober dan ihr Lieben,
nach sechseinhalb Stunden Fahrt durch die herrliche kroatische Gebirgslandschaft wurden wir bei über 30 Grad Außentemperatur am letzten Zeil unserer Reise ausgespült – Sibenik an der Küste Dalmatiens.
Hier haben wir uns für 5 Nächte ein Zimmer in einem Hostel genommen. Das war eine kleine Umstellung, da wir an den letzten Etappen stets den Luxus und Komfort einer Ferienwohnung genossen haben. Besonders ich hatte da so meine Bedenken, vor allem wegen der Verpflegung. Vermutlich ist das eine sehr verwöhnte Ansicht, aber Gemeinschaftsküchen bin ich stets eher skeptisch gegenüber eingestellt. Küchen in der viele Menschen kochen und sich keiner wirklich zuständig fühlt, werden schnell mal etwas eklig. Am Ende muss ich jedoch sagen, dass es eine relativ positive Erfahrung war. Unser Essen im Kühlschrank wurde nicht einfach von anderen benutzt und sie war zu unseren Essenszeiten auch nie völlig überfüllt. Die Ausstattung war zwar nicht gut und eine funktionierende Herdplatte ist jetzt nicht optimal, aber für Müsli zum Frühstück, ab und zu mal Brot zum Mittag und Nudeln mit Tomatensoße hat es vollkommen ausgereicht. Manchmal gab es sogar noch nette Gespräche mit anderen Gästen.
Nun galt es also die nächsten Tage zu füllen. Schon an unserem ersten Nachmittag zog es uns in Altstadt die sich mit ihren schönen Steinhäuschen und schmalen Gassen nur ein paar Gehminuten von unserem Hostel entfernt einen kleinen Hügel am Wasser hoch zog. Also schlenderten wir an der Promenade entlang, genossen den Blick aufs mehr und überlegten in welche der kleinen Gässchen wir gehen wollen. Mehr haben wir an diesem Tag nicht mehr gemacht – abgesehen von der Organisation der Heimfahrt – aber die Zugfahrt und all die Reize und Einflüsse einer neuen Stadt haben dann doch viel Kraft gekostet.


Auch den nächsten Tag sind wir noch einmal langsam angegangen. Wir hatten uns eine intensive Besichtigung der Stadt vorgenommen. Sibenik besitzt eine Kathedrale, die zum UNESCO-Welterbe zählt. Also beschlossen wir damit zu starten.
Kleiner Exkurs am Rande für alle, die es interessiert, alle anderen können dieses etwas altklugen Absatz gerne überspringen. Auf unseren Reisen haben wir immer wieder mit den unterschiedlichen Gotteshäusern zu tun, mal sind es einfache Kirchen, mal heißen sie Dom, Kathedrale oder Basilika. Irgendwann haben wir uns gefragt, was ist da jetzt der Unterschied. Für alle, die sich diese Frage auch schon gestellt haben, kommt jetzt eine kurze Erklärung (Basis dafür war eine kleine Internetrechereche). Also prinzipiell sind das alles erstmal Kirchen. Als Dom bezeichnet man eine größere Stadtkirche von historischer Bedeutung. Eine Kathedrale ist im Grunde dasselbe mit dem Zusatz, dass es sich hierbei um einen Bischofssitz handelt. Jede Kathedrale ist also ein Dom, aber nicht jeder Dom ist eine Kathedrale. Die Bezeichnung Basilika hingegen weist auf architektonische Merkmale hin. Eine solche Kirche besitzt immer 3 Schiffe, wobei das mittlerer höher als die äußeren ist. Eine Basilika kann, aber muss nicht sowohl Dom als auch Kathedrale sein.
Nun ja, nach diesem Exkurs wissen wir jetzt also, dass Sibenik Bischofssitz ist bzw. war. Aber nun zur Kathedrale und unserem Besuch dort. Zum Welterbe zählt sie, da sie mit einer sehr besonderen Technik gebaut wurde und dadurch vollständig aus Stein besteht ohne hölzerne Balken oder Verbindungen. Von außen macht das Gebäude tatsächlich ganz schön was her, mit schönen Steinmetzarbeiten an den Portalen (tatsächlich wird ein Seiteneingang von 2 Löwenstatuen bewacht) und einer hübschen Rosette. Aber von innen muss ich ehrlich sagen, dass sie eher gewöhnlich ist. Klar gibt es ein schönes Baptisterium und einige Altäre. Dennoch fand ich andere Kirche, die wir besucht haben, deutlich beeindruckender. 20 Euro Eintritt für diese Kathedrale sind da etwas übertrieben viel.


Nach der Kathedrale liefen wir ein bisschen ziellos durch die Stadt. Die Hitze macht laufen und besonders das Steigen der zahllosen Treppen ziemlich schnell anstrengend, so dass nicht wirklich viel Freude machte. Trotzdem waren die verwinkelten kleinen Gassen mit den Häusern malerisch. Zwischen drinnen stehen immer wieder kleinere Kirche von denen leider keine geöffnet hatte, auch auf dem Besuch der Forts oberhalb der Stadt haben wir auf Grund der Hitze lieber verzichtet. Es war trotzdem schön einfach ein bisschen vor sich hin zu schlendern und sich die Auslagen der Läden anzusehen. Abkühlung fanden wir in einem vorzüglichen Eis und am Ende haben wir auch noch eine hübsche offene Kirche gefunden. Im Park davor gab es eine Art Springbrunnen mit einem großen Tuff Stein, der schon seit 100 Jahren an dieser Stelle liegt und seitdem auch immer noch gewachsen ist. Heute ist er die Heimat von ausgesetzten Schildkröten und Fischen, die ihren Besitzern zu viel wurden, aber nicht einfach in die Natur ausgesetzt werden dürfen.


Die restliche Zeit verbrachten wir entspannt im Hostel. Aber der kühle Abend lockte uns noch einmal zu einem Spaziergang an der Promenade entlang nach draußen. Nach einem heißen Tag ist die laue Abendluft ein Segen. Von einem Aussichtspunkt hatten wir einen herrlichen Blick auf das Wasser und die Altstadt.


Für dem folgenden Tag haben wir uns ein bisschen mehr vorgenommen. Nach fast 3 Wochen Stadt wollten wir raus in die Natur, also haben wir uns eine Fährverbindung auf eine der zahlreichen Inseln vor der Küste gesucht. Zunächst einmal haben wir uns aber der Hitze angepasst und sind früh aufgestanden, um alle Besorgungen erledigen zu können, wenn es noch etwas kühl ist. Es musste nämlich noch Proviant eingekauft werden und ganz wichtig: Badeschuhe. Die Fähre für dann allerdings in der Mittagshitze hinaus zu den Inseln, aber die Meeresbrise war sehr angenehm und es tat gut in die Weite zu sehen. Auf der Insel Zirje angekommen brannte die Sonne dann aber doch ziemlich und wir fühlten uns wie die dämlichsten Touristen bei dieser Hitze wandern zu gehen. Am Ende haben wir auch niemand anderen getroffen, der zu Fuß unterwegs war. Trotzdem waren wir gut vorbereitet, mit 6 Litern Wasser im Gepäck, ordentlich Sonnencreme auf der Haut und Hut auf dem Kopf. Langsam, um uns bei der Hitze nicht zu überanstrengen, liefen wir ins Inselinnere. Das war erstaunlich grün, überall Olivenbäume und Nadelbäume mit lärmenden Zikaden. Spannend waren auch die Mauern, die sich mit engem Abstand durch die Vegetation zogen. Was diese zu bedeutet haben, wissen wir nicht so ganz. Ursprünglich hatten wir geplant in Richtung einer Bucht auf dem südlichen Teil der Insel zu laufen und auf dem Weg ein paar Ruinen zu besichtigen. Nach dem Justus mir jedoch erzählt hatte, dass es auf der Insel Sandottern gibt, waren mir die schmalen Pfade durch Gras und Steinmauern nicht mehr ganz geheuer. Also entschieden wir uns auf den breiteren Kieswegen (aka Straßen) zu bleiben und weiter zur Bucht zugehen. Diese raubte uns ziemlich den Atem, da sie wirklich wunderschönes türkises Wasser besaß und einen schönen Kiesstrand, ansonsten aber Nadelbäume bis zum Wasser, die Schatten spendeten. Das Wasser war herrlich erfrischend und tat unfassbar gut. Gut tat auch, dass die Bucht relativ leer war, so dass wir auch einmal eine Pause von vielen Menschen hatten. Nach 2 Stunden musste wir aber leider schon den Rückweg antreten, um die Fähre zurück zu erwischen. Obwohl es immer noch warm war, ging das Laufen echt gut und es war sehr angenehm zu wandern. Auf dem Rückweg sahen wir einen herrlichen Sonnenuntergang auf dem Wasser und die funkelnden Lichter der Siedlungen übers Wasser. Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt.







Nach dem anstrengenden Tag wurde der nächste wieder etwas ruhiger verbracht. Auf der To-Do-Liste stand das Stadtmuseum Sibenik, in dem die Geschichte der Umgebung seit der Steinzeit dargestellt ist. Sibenik ist tatsächlich eine der wenigen von Kroaten gegründeten Städte an der Adriaküste und hat mehrmals die Herrschaft gewechselt. Den restlichen Tag haben wir uns entspannt und den einen oder anderen Streifzug durch die Stadt unternommen, um noch ein paar Souvenirs zu erwerben. Am Abend haben wir uns ein Essen im Restaurant gegönnt. Gerade als wir wieder ins Hostel zurückgingen, fing es an zu Gewittern. Beeindruckende Blitze erleuchteten den Himmel und der kühle Regen tat wirklich gut.



Da uns der Ausflug auf die Insel so gut getan hat, haben wir beschlossen an unserem letzten Tag noch einmal ins Grüne zu fahren. Sibenik liegt nicht direkt an der offenen Küste, sondern an einer Art Haff, dass durch einen natürlichen Kanal mit dem Meer verbunden ist. Wir sind mit dem Bus ein Stück aus der Stadt herausgefahren, um entlang des Haffs und des Kanals wandern zu können. Besonders die Strecke am Kanal war sehr schön, da es hier kleine Hügel gab, von denen man weit ins Land und aufs Meer hinaussehen konnte. Es wehte ein frischer Wind, was die Hitze erträglicher machte, allerdings war es durch das Gewitter am Abend zuvor ohnehin etwas kühler als an den vergangenen Tagen.



Der St.-Anthony’s-Kanal war bereits mehrmals in der Geschichte ein militärisch strategischer Ort, das hat Spuren hinterlassen. In den Klippen gibt es bei einer ehemaligen Eremiten Kapelle einen Wassertunnel im Gestein, den die Nationalsozialisten für ihre Torpedoschiffe erbauten. Weiter entlang des Weges gibt es ein altes jugoslawisches Militärlager für Seeminen, dass heute ein Naherholungsgebiet und ist als Lehrstätte genutzt wird. Am Meerende des Kanals befindet sich das Fort Nicholas, eine Verteidigungsanalage auf deiner kleinen vorgelagerten Insel. Diese wurden von den Venezianern im Kampf gegen das Osmanische Reich errichtet. Zwischen Fort und Festland liegt eine weitere Insel, da das Wasser dort recht flach ist, kann man diese über einen Holzsteg erreichen. Ich habe ja bereits erwähnt, dass es recht windig war an diesem Tag. Auf dem Rückweg über diesen Steg kam auf einmal eine besonders starke Böe und erfasste Justus Cappie, so dass es ins Wasser geweht wurde. Kurz stand er ein bisschen hilflos auf dem Steg. Dann setzte er den Rucksack ab und kramte nach den Badeschuhen, während die Mütze weiter von uns wegtrieb. Er hüpfte vom Steg und hechtete der Mütze nach. Allerdings war das Wasser doch etwas tiefer, so dass er nochmal zurückmusste, um sein T-Shirt bei mir abzugeben. Am Ende am er ziemlich erschöpft durch die Wellen wieder bei mir an – mit Mütze und meinte nur so zu mir: „Zum Glück haben wir Wechselsachen mit.“. Justus fand das ganze natürlich so gar nicht lustig, während ich mich auf dem Steg köstlich amüsierte und auch die anderen Menschen etwas komisch schauten. So viel dazu. Von da aus ging es in den nächsten Ort an der Küste und von dort mit dem Bus zurück. Da wir gegen Mittag wieder im Hostel waren, konnten wir die größte Hitze umgehen und uns noch gemütlich um die Reisevorbereitungen für den Heimweg kümmern.



Am Abend haben wir uns wieder in ein Restaurant gesetzt und noch mal die dalmatische Küche ausprobiert. Es war großartig und nach einem Wandertag mit eher kargen Mittagssnack richtig gut. Um den letzten Abend unserer Reise nochmal zu richtig schön ausklingen zu lassen, sind wir noch einmal die Promenade entlang geschlendert.
Mit Blick auf den Hafen viel uns etwas Neues auf. Im Grunde ein großes dunkles Gebilde mit erleuchteten Fenstern. Im Hafen hatte die Luxus Kreuzfahrtyacht „Four Seasons“ angelegt. Aus Neugier mussten wir also nochmal zum Hafen und standen dann vor diesem Ding. Irgendwie bringt einen das zum Nachdenken (besonders wenn man mal die Preise googlet), man fühlt sich verdammt klein daneben. Aber ich denke mir dabei auch immer wieder, wie viel toller ein Urlaub auf diesem Protzschiff am Ende wirklich ist im Gegensatz zu dem, was wir machen. Ist diese Art von Luxus wirklich nötig? Am Ende muss es jeder selber wissen.

Tja und so ist unserer Zeit unterwegs mit dem Zug auch schon fasst wieder vorbei. Für die Rückreise haben wir uns wieder mal ganz schön was vorgenommen. Erst einmal geht es zurück nach Zagreb und dann von dort wieder einmal mit dem Nachtzug Richtung Deutschland, wobei wir nur bis kurz vor die Grenze fahren und die restliche Strecke ab München mit den ICE’s zurücklegen. Vielleicht werden wir auch von dieser Fahrt noch die eine oder andere Anekdote zu erzählen haben oder es wird ein ganz entspanntes Zugfahren, wer weiß.
Aber auch nach unserer Reise geht es weiter. Justus hat eine Einladung zur zweiten Bewerbungsrunde für die Bauhaus-Universität Weimar bekommen. Unabhängig von deren Ausgang werden in 2 Monaten umziehen und bis dahin alle Hände voll zu tun haben.
Also zunächst einmal, bis bald!