Nach einer sehr kurzen Nacht gab es ein gutes Frühstück und dann wurden wieder die Rucksäcke gepackt. Da wir aber erst ab um drei in unser Airbnb konnten, hatten wir noch ein paar Stunden Zeit totzuschlagen. Also beschlossen wir, den beiden Hospitalieras beim Aufräumen und Saubermachen zu helfen, worüber die beiden sich sehr freuten. Wir haben die Betten neu bezogen, Wäsche aufgehängt, den Bürgersteig gekehrt und die aufgekommene Unordnung etwas aufgeräumt. Belohnt wurden wir mit einer Tüte „Werthers Original“ und einem zweiten Frühstück zusammen mit den Hospitalieras und der angeheuerten Putzfrau. Sich mit den dreien zu unterhalten war wunderbar, die Sprachbarriere mit der Spanierin war auch kaum ein Problem, da die beiden Hospitalieras Spanisch sprachen und ansonsten ging es auch mit Händen und Füßen. Danach haben wir noch etwas Karten gespielt und gewartet, dass die Zeit verstreicht.
Unser Airbnb lag direkt in der Innenstadt an der „Estafeta“, die berühmte Straße, durch die sich jedes Jahr im Juli Menschen von Stieren jagen lassen. Den Sinn dahinter konnten wir uns nicht ganz erschließen, aber es scheint eine sehr beliebte Tradition zu sein. Wir hatten ein eigenes Schlafzimmer und Bad, Küche und Wohnzimmer teilten wir uns mit der Vermieterin. Anfangs war es ziemlich komisch die Wohnung einer fremden Person zu teilen, aber man gewöhnt sich daran. Das Bad war ein sehr skurriler Raum. Boden und Wände waren in einem Schwarz-weißem Schachmuster gefliest, die Armaturen waren vergoldet, der Spiegel eingefasst in einen schweren, alten und ebenfalls vergoldeten Holzrahmen und die Handtücher waren mit Fransen versehene Tiger und Leopardenfelle. Den Nachmittag vertrieben wir uns mit einkaufen und dann hieß es auch nur noch Essen kochen und schlafen gehen.






Die nächsten Tage verbrachten wir damit uns die Stadt anzusehen. Wir waren in der Kathedrale mit ihren vergoldeten Altären, wunderschönen Treppen und Türen, einem herrlichen Kreuzgang und einem kleinen Museum. Wie viele Kilometer wir durch die Stadt gelaufen sind lässt sich schwer sagen, es waren auf jeden Fall sehr viele. Archetektonisch ist die Stadt sehr spannend, gefühlt nach jeder Straßenecke verändern sich die Häuser. Hohe enge Gassen, mit bunten Fassaden und schwungvoll verzierten Metallbalkonen, breite Boulevards in Art Déco und Jugendstil gehalten wechseln sich ab mit Barocken und Klassizistischen Bauten. Hier und da findet man noch traditionelle baskisch-navarresische Architektur und brutalistisch wirkende Bauten aus der Zeit Francos. Außerdem Verteidigungsanlagen und eine riesige Zitadelle aus der spanischen Renaissance. Zudem gibt es viele wunderschöne Parkanlagen mit Teichen, Statuen, Springbrunnen und weiten Rasenflächen. Aber das Beste ist die Atmosphäre, die in der Stadt herrscht. Es kommt einem so vor, als hätte niemand Stress, die Menschen schlendern durch die Gassen und über die Straßen, als hätten sie alle Zeit der Welt. Zur Mittagszeit und am Abend füllen sich die Bars, Cafés und Restaurants, es wird gegessen, viel getrunken und ausgelassen gequatscht. Und dann sind die Straßen (vor allem aber die Estafeta) voller Menschen und die Luft ist erfüllt von einem Summen, wie in einem Bienenschwarm. Die Straßen und Gassen sind sauber, die Menschen freundlich und hilfsbereit und es war wunderbar in der lauen Abendluft durch die Gassen zu spazieren, die Schaufenster zu begutachten und die ausgelassene Stimmung aufzusaugen.








Ansonsten haben wir uns die Woche über die viel entspannt, Serie geguckt und nach Zügen für den Rückweg recherchiert. Außerdem haben wir noch Plinsen oder Eierkuchen gebacken, um die mit den beiden Hospitalieras zu teilen. Mit ihnen haben wir uns dann noch einmal fast drei Stunden unterhalten und die sie haben uns ein neues Kartenspiel beigebracht, das seitdem ausgiebig gespielt wird. Die Rückfahrt zu planen war ziemlich nervenaufreibend und ein Krampf. Wir haben schnell beschlossen über Barcelona und Paris zu fahren, da es von dort eine Direktverbindung per Nachtzug nach Berlin gibt und das alles in 36 Stunden und in einem Rutsch. Die Probleme fingen schon an, sich mit der spanischen Bahnapp auseinanderzusetzen. Um sich dort anzumelden, muss die Telefonnummer angegeben werden, nur ist es anscheinend nicht üblich als Ausländer diese App zu benutzen, zumindest als Deutscher. Sie akzeptiert nämlich keine deutschen Nummern, sondern nur Spanischen oder welche, die eine Zahl weniger haben. Als wir keine Geduld mehr dafür hatten und die Bahn nach Barcelona doppelt so teuer wäre wie ein Flixbus, haben wir beschlossen uns die Erfahrung über Nacht zu fahren uns noch ein zweites Mal anzutun. Also Nachtbus und TGV nach Paris buchen und dann bei der österreichischen Bahn die Tickets für den Nightjet zu buchen. Und das war das Anstrengendste. Die ÖBB akzeptiert nur ausgedruckte Tickets und diese bekommen wir entweder, wenn wir uns das Ticket selbst ausdrucken oder es uns an einem österreichischen Bahnhof abholen. In Österreich selbst würde aber ein Onlineticket auf dem Handy ausreichen. Wir mussten also unsre Vermieterin fragen, wo es einen öffentlichen Kopiershop gibt, um dieses Ticket auszudrucken. Zum Glück mussten wir dafür nur zwei Straßenecken weiter und dann aber auchdem nur Spanisch sprechenden Verkäufer klarmachen, was wir wollen. Das funktionierte mit Google Translate ganz gut und so haben wir im Jahr 2025 noch die Erfahrung machen dürfen, wie es ist in Kopiershops zu gehen, um Tickets zu drucken. Eine Erfahrung, bei der wir nicht gedacht hätten, dass das mit den technischen Mitteln von heute überhaupt noch nötig ist.












Den letzten Tag verbrachten wir damit, nochmals durch die Stadt zu schlendern, diesmal etwas durch die Vorstädte und am Abend dann in einer Pizzeria essen zu gehen. Das Problem mit original spanischem Essen ist nämlich, dass wir nichts gefunden haben, was auch ohne Fleisch geht. Als wir zum Busbahnhof liefen, nieselte es leicht, es war insgesamt erst das sechste Mal, dass es auf unserer Reise geregnet hatte. Am Busbahnhof haben wir noch eine Deutsch-Russin getroffen und uns mit ihre etwas unterhalten und Erfahrungen ausgetauscht. Sie musste krankheitsbeding in Logroño abbrechen und war auch auf dem Heimweg. Die Busfahrt war, wie zu erwarten, nicht besser als die erste, nur mit dem Unterschied, dass die schlechte Luft so kalt war, dass wir etwas froren. Um Ein Uhr in der Nacht ging es los, halb acht waren wir in Barcelona am Bahnhof. Und dieser Bahnhof war riesig, wir fühlten uns wie auf einem Flughafen. Bei dem einzigen Bäcker, den es dort gab, haben wir uns für 16 Euro zwei Croissants, zwei Pain au Chocolat und etwas zu trinken gekauft und auf unseren Zug gewartet, der halb zehn abfahren sollte. Und wie auf einem Flughafen gab, es für die Gleise, auf denen die Fernzüge abfuhren, auch Personenleitsysteme inklusive Gepäckkontrollen. Also Rucksäcke und alles, was wir mit hatten aufs Band und durch den Scanner. Die Polizisten guckten auf den Bildschirm, murmelten etwas von „Ah Macheta“ und winkten mich mit meinem Rucksack zur Seite. Also Rucksack auf und Taschenmesser raus. Der Polizist begutachtete unsere Messer, und nachdem er entschieden hatte, dass wir mit einem mehr oder weniger stumpfen Schweizer Taschenmesser und einem Opinel mit abgerundeter Spitze keinen Schaden anrichten konnten, bekamen wir unsere Messer zurück und durften uns in ein weiteres Personenleitsystem stellen, welches uns auf unser Gleis schleuste. Der Zug war pünktlich, wir setzten uns und dann hieß es weitere sechseinhalb Stunden nach Paris fahren. Bis auf eine Gruppe Asiaten, die auf dem vierer auf der anderen Gangseite saßen, sich lautstark unterhielten und zum Mittag hartgekochter Eiersandwiches aßen, verlief die Fahrt sehr ruhig. Eine ältere Dame, die uns gegenübersaß und ständig etwas pikiert zu den Asiaten herüber schielte, schenkte uns irgendwann eine Tafel Zartbitterschokolade. Gegen 16:30 Uhr kamen wir in Paris auf dem Bahnhof Gare de Lyon an. Der kleine Platz vor den Gleisen war voller Menschen und es herrschte hektisches Treiben. Der Himmel über Paris war grau und verhangen. Von Paris haben wir auf dem Weg zur Metro einen guten Eindruck bekommen, wie diese Stadt ist. Laut, hektisch, dreckig, überlaufen und mit vielen Obdachlosen. Wir haben die Seine und die typischen Pariser Häuser gesehen, die Metro war rammelvoll und wir waren froh, als wir am Bahnhof Gare de East angekommen waren. Dort hieß es dann wieder etwas essen und auf den Nightjet warten. Zehn Minuten nach offizieller Abfahrtszeit stand auf den Anzeigetafeln noch immer kein Gleis, auf welchem der Zug stehen sollte. Als irgendwann endlich ein Gleis angezeigt wurde und wir einsteigen konnten, gab es noch etwas mehr Drama. Diesmal zum Glück aber nicht für uns. Grund der Verspätung waren nämlich technische Probleme einem Schlafwagen, welcher dann auch weg viel. Und eine aufgebrachte Französin, die viel Geld für eines dieser Schlafwagenabteile ausgegeben hat, war sichtlich sauer, sich jetzt ein Sitzabteil mit anderen Fahrgästen teilen zu müssen. Den beiden Franzosen nach, die zusammen mit uns im Abteil saßen, muss sie die Bahnangestellten mit allen bekannten Schimpfwörtern in französischer Sprache überschüttet haben. Zumindest meinten sie, sie hat viele „sehr böse“ Wörter benutzt. Nachdem sich das aber auch geklärt hatte, verlief die Reise nach Berlin ohne weitere Zwischenfälle. Wenn man die Sitzflächen in die Gangmitte schob, dann hatte man eine mehr oder weniger bequeme Fläche zum Liegen, auf der wir aber wesentlich besser schlafen konnten als im Bus.









Und das war unsere Reise nach Frankreich und Spanien. In Berlin waren wir noch eine Woche, in der wir Familie besucht haben und in Museen und im Kino waren.






Damit endet dieser Blog fürs erste. Da es mit dem Camino Frances nicht so ganz geklappt hat, wie wir uns das vorgestellt haben, die vier Tage pilgern aber dennoch Spaß gemacht haben, haben wir beschlossen im Frühjahr den Jakobsweg vor unserer Haustür, die Via Regia ein Stückchen zu laufen. Da wird bestimmt auch wieder etwas kommen. Außerdem haben wir noch ein Interrailticket, mit dem wir im Juni durch Europa reisen werden für einen Monat. Und je nach Lust und Laune kommt dazu vielleicht auch noch etwas. Also seit gespannt auf unsere nächsten Abenteuer.
Danke auch für das immer sehr positive Feedback, wir hoffen, es hat euch gefallen.
Bis bald eure Helene und Justus