Kleines feines Städtchen

Szia ihr Lieben,


nach der Hauptstadt Budapest ging es für uns weiter ins ungarische Pécs, eine kleinere Stadt am Fuß des Nyugat-Mecsek-Gebirges. Diese Stadt ist ein besonderes Highlight nach dem lauten und vollen Budapest, da wir hofften hier etwas Ruhe und Erholung zu finden.
Die Zugfahrt dorthin war im Vergleich zu allen anderen Reisetagen mit nur zweieinhalb Stunden Fahrtzeit ein absoluter Katzensprung. Das war aber auch sehr gut so – Justus war seit dem Abend vorher am ziemlich Kränkeln und ich war auch noch nicht ganz wieder auf den Beinen. So waren wir verdammt froh am kleinen und gemütlichen Bahnhof anzukommen und nach einem kurzen Fußmarsch von einer halben Stunde erreichten wir unsere Ferienwohnung. Tja, und so viel mehr gibt es aus Pécs eigentlich nicht zu berichten.

Pècer Bahnhof – gerade einmal eine Handvoll Gleise,
aber ein stattliches Gebäude


Die 3 Tage haben wir vor allem zur Erholung genutzt. Drei Mal täglich inhalieren, viel Tee trinken und Hustenbonbons lutschen. Unsere Ferienwohnung war herrlich ruhig gelegen in einem Hinterhof. Morgens wurden wir von zwitschernden Vögeln geweckt und in der Abenddämmerung konnte man die Fledermäuse über die Feigenbüsche fliegen sehen. Diese Ruhe tat sehr gut. Ebenso gut wie ruhige Vormittage mit Kartenspielen und einem guten Buch.


Dennoch haben wir es uns nicht nehmen lassen die Stadt zu erkunden. Die Pècser Altstadt ist nicht sehr groß und ich wage zu behaupten, dass man sie in einer halben bis dreiviertel Stunde umrundet hat. Trotzdem sind die Straßen und Häuser wunderschön und auf der zentralen Promenade gibt es viele kleine Lädchen, Restaurants, kleine Plätze und Cafes. Aber alles ist bei weiten nicht so überlaufen, wie die beiden Städte zuvor. Uns kam es eher so vor, als wäre diese Stadt noch eine Art „Geheimtipp“ und kein übliches Touristenziel, alles schien seinem eigenen ruhigem Rhythmus zu folgen.

Einige Impressionen aus der Stadt


Man kann aber nicht behaupten die Stadt habe wenig zu bieten. Im Gegenteil, besonders hier zeigen sich die osmanischen Einflüsse in einer alten Moschee mit Minarett und einer Kirche, die sich in einer ehemaligen Moschee direkt auf dem zentralen Platz befindet. Des Weiteren war Pècs ein Bischofssitz und verfügt über eine von außen schlichte, von innen jedoch äußerst beeindruckende Kathedrale, nebst Bischofspalast und frühchristlichem Friedhof. Direkt daran angrenzend findet man noch einen beachtlichen Teil der alten Stadtmauer, die immer noch ein gutes Stück der Altstadt einfasst. Anders als in Krakau haben wir uns in Pécs außer einem Besuch in der Kathedrale gegen Museen entschieden, auch wenn es einige sicherlich sehr spannende und interessante gab. Es wurde jedoch auch von Tag zu Tag wärmer und wir haben aus den vollgestopften Plan in Krakau gelernt und uns jeden Tag nur wenig vorgenommen. Meist sind wir einfach nur durch die Stadt spaziert, einmal haben wir auch die Aussicht von einem nahen Hügel mit Kapelle und Friedhof genossen. Eigentlich wollten wir noch weiter hochsteigen und in einen Park gehen, aber die vom Himmel glühende Sonne hat uns schnell wieder von dieser Idee abgebracht.

Die Kirche (ehem. Moschee) auf dem Széchenyi tér
Moschee des Pascha Jakowali Hassan (heute ein Museum)
Kathedrale St. Peter und Paul
Eingang zur Krypta


So hatten wir sehr ruhige Tage in Pécs und sind nun bis auf einen leichten Schnupfen wieder fasst vollständig gesund.


Szia und bis bald!


PS: Hier noch eine kleine Anmerkung auf Justus Wunsch hin. In Pécs haben wir uns einen besonderen Luxus gegönnt und waren in einem Restaurant essen. Dabei haben wir eine neue Art der Nockel (bzw. Spätzle) Zubereitung kennengelernt, und zwar mit saurer Sahne, das hat zwar nicht weniger gestopft als die schwäbische Variante mit Käse und Zwiebel, hatte aber einen sehr cremigen und interessanten neuen Geschmack. Zum Nachtisch gab es ein ungarisches Dessert – eine Art süßer Schicht Kuchen mit hellem und dunklem Teig, in dem Rosinen und Kirschen waren. Zwischen den Schichten waren in Sirup getränkte Orangenschalen gelegt worden, serviert wurde dazu Eis. Das Zeug ist wirklich pappe süß und nach einem Teller voller Spätzle vielleicht nicht die klügste Wahl. Trotzdem hat es extrem gut geschmeckt, besonders die Orangenschalen gaben dem Ganzen eine herrlich fruchtige Note und waren ein spannendes Geschmackserlebnis. Leider haben wir uns nicht gemerkt, wie dieses Dessert hieß.

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